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21. Tag
01. August 2002
Sarria – Pena – Portomarin – Toxibo – Castromayor – Ligonde – Palas de Rei – Melide – Ribadiso - Arzúa
Von Sarria (E)

Unsere Hoffnung, nach den beiden schweren, aber auch schönen Bergetappen wieder einen leichteren Tagesabschnitt zu haben, müssen wir sehr schnell begraben. Nach einem bescheidenen Frühstück (Kaffee und Gebäck) in einer Bar geht es schon um 8:00 Uhr los. Dichter Nebel und eine für uns ungewohnte Kühle begleiten uns aus Sarria. Nach einer kurzen Abfahrt führt uns ein kilometerlanger Anstieg aus der Talsenke. Links und rechts offene Wiesenflächen. Sie sind trotz Hochsommerzeit noch immer sattgrün. Großes Interesse weckt die Landschaft jedoch nicht bei uns. Der Nebel, später die tiefhängenden Wolken, die Kälte und das ständige Auf und Ab lassen keine rechte Freude aufkommen. Auch merken wir, dass uns die beiden Bergetappen noch in den Knochen stecken. Sogar die rasante Abfahrt zum Stausee Belesar kann uns nicht aufmuntern, denn ab Portomarin folgt zwangsläufig der entsprechend lange und recht steile Anstieg aus dem Tal. Auf der Höhe angelangt, lässt sich zum Glück die Sonne wieder blicken. Nach einem herzhaften zweiten Frühstück (Kaffee und Bocadillos mit Tortilla francesa) in einer kleinen, am Wegesrand liegenden Pilgerherberge setzen wir die Fahrt fort. Die wärmende Sonne, das kräftige Frühstück und die farbenprächtige Heidelandschaft, die wir jetzt durchfahren, lassen unsere Stimmung merklich steigen, zumal wir merken, wie locker wir an vielen - auch jungen - Radpilgern vorbeifahren. Einige von ihnen versuchen zwar, uns Paroli zu bieten, und für eine kurze Zeit gelingt es ihnen auch, doch dann fallen sie abrupt a b . Wir sind einfach ausdauermäßig viel besser drauf als diese "Radpilger", deren Pilgerschaft schon offiziell anerkannt wird, wenn sie nachweislich 200 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt haben. Dass wir keine 100 Kilometer mehr von unserem Ziel Santiago de Compostela entfernt sind, merken wir daran, dass auf dem Fußpilgerweg, der phasenweise fast parallel zur Straße führt, sich eine wahre Prozession in Richtung Santiago bewegt. Denn auch die Pilger, die nachweisen kö nnen, dass sie 100 Kilometer zu Fuß auf dem Jakobsweg gepilgert sind, erhalten im Pilgerbüro von Santiago die traditionelle Urkunde.

In Palas de Rei machen wir auf dem Dorfplatz eine ausgiebige Mittagspause. Ich komme mit zwei jungen spanischen Radpilgern, die uns schon mehrmals während unserer Tour begegnet sind, ins Gespräch. Wir versprechen uns gegenseitig, sollten wir uns morgen in Santiago nochmals begegnen, gemeinsam ein Bier zu trinken. Bevor wir weiterfahren, holen wir uns noch den letzten Stempel auf dem Jakobsweg.

Die Weiterfahrt in Richtung unseres Etappenziels Arzú a führt uns fast ausschließ lich über idyllische Nebenstraß en. Sogar Jürgen, der diesen Nebenstrecken in der Regel nicht viel abgewinnen k ann, weil sie zwar landschaftlich äußerst reizvoll, aber grundsätzlich auch schwieriger zu befahren sind, ist hellauf begeistert von der einzigartigen Landschaft. Wir lernen Galicien von seiner ursprünglichen Seite her kennen. Beim Durchfahren namenloser Weiler dass der Wind die Maiskolben gut trocknen kann. Ebenfalls interessant sind die vielen alten Kirchen mit ihren Friedhöfen, auf denen jedes Grab ein kleines Granitmonument ist. Wir sind uns jedenfalls einig, mit Galicien eine der faszinierendsten Landschaften des Jakobsweges zu durchradeln.

Bevor wir Arzúa erreichen, machen wir noch in Melide unsere bereits zur lieben Gewohnheit gewordene Cola- bzw. Bier-Pause. Zu uns gesellen sich zwei französische Radpilger, die uns schon heute morgen beim Anstieg aus dem Tal des Rio Miño aufgefallen sind. Sie kommen aus einer kleinen Stadt in der Nähe der Loire und sind über den Via Podiensis gefahren. Der ältere von beiden ist bereits 71 Jahre und ist Bürgermeister von Saumur, wo ein guter weißer Wein angebaut wird. Wir sollten ihnen morgen in Santiago nochmals begegnen.

Die letzten 15 Kilometer bis Arzúa führen uns über eine vielbefahrene Landstraße. In Arzúa selbst sind die Refugios und Hotels aufgrund der enorm gestiegenen Pilgerschar bereits belegt. Wir haben jedoch Glück und bekommen außerhalb des Ortes in einem guten Hotel einer Schweizer Kette noch ein 4-Bett-Zimmer.

Auf den abendlichen Bummel durch den Ort verzichten wir. Einmal sind wir zu faul und zu müde, die zwei Kilometer bis zum Ortskern zu gehen, zum anderen wollen wir das Ambiente ( u . a . sehr gutes Essen) dieses Hotels genieß en, zumal, so glaube i c h , wir während unserer gesamten Tour noch in keinem besseren Hotel abgestiegen sind.

Beim abendlichen Absackerbier kreisen unsere Gedanken und Gepräche ausschließlich um unser Endziel, Santiago de Compostela, das wir morgen gegen Mittag erreichen werden.

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