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16. Tag
27. Juli 2002
Villafranca – Puerto de la Pedraja 1130m – Burgos – Villalbilla – Hornillos – Montanas - Castrojeriz
Von Villafranca (E)

Ich habe kaum und zudem noch schlecht geschlafen. Es war nicht so sehr das doch ungewohnte Liegen im Zelt, als vielmehr der Streit mit Gerd, der einen ruhigen Schlaf verhinderte. Ein blauer, wolkenloser Himmel kann die Spannung, die zwischen Gerd und mir herrscht, auch nicht beseitigen. Schließ lich ist es Jürgen, der vermittelnd auf uns zwei Sturköpfe einredet und es schafft, wieder Normalität in unserem Verhalten zueinander hereinzubringen.

Jedenfalls betreten wir die Bar, die wir gestern Abend in Zwietracht verlassen haben, in "holder Eintracht", um uns mit einem kräftigen Frühstück für die schwierige Etappe, die uns heute erwartet, zu stärken. Die Bar, das haben wir schon gestern festgestellt, ist eine wahre Goldgrube. Neben den Pilgern sind es vor allen Dingen Fernfahrer und Einheimische, die die Bar wegen des guten und preiswerten Essens und der zuvorkommenden Bedienung aufsuchen.

Es ist noch relativ kü hl, als wir losfahren. Unsere gestern abend gewaschene Radkleidung ist in der Höhe (950m) nicht ganz getrocknet. So fahren wir mit klammer Wä sche los. Vor uns liegen die Montes de Oca, ein bewaldeter Höhenzug. Die Passhöhe Puerta de la Predaja mit 1150m wird von uns schnell und problemlos überfahren. Von hier aus geht es zügig bergab über die wieder stark befahrene N- 120 bis Burgos, der Hauptstadt Kastiliens. Nach einigen Umwegen und dem Besuch eines Hypermercados gelangen wir schließlich durch das eindrucksvolle Stadttor, Arco de Santa Maria, zur Kathedrale. Sie ist die nach der von Sevilla und Toledo drittgrößte Kathedrale Spaniens. Burgos bietet die meisten erstklassigen Sehenswürdigkeiten auf dem Jakobsweg. Einen Tag sollte man mindestens für die Besichtigung einplanen, empfiehlt unser Reiseführer. Wir beschränken uns auf die Besichtigung der beeindruckenden gotischen Kathedrale, holen uns einen Stempel für unseren Pilgerausweis, genehmigen uns in der glühendheißen Sommerhitze eine eisgekühlte Cola und genießen dabei das Treiben auf dem Platz vor der Kathedrale. Dabei haben wir Glück und können eine vorbeiziehende Folkloregruppe in ihrer bunten Tracht bewundern.

Es ist noch nicht Mittag, als wir Burgos erst entlang einer schattigen Uferpromenade und dann über eine stark befahrene Ausfallstraße in Richtung Leon verlassen. Zunächst führt uns die Route über eine kahle eintönige Hochfläche (Meset a). Der uns heute fast frontal ins Gesicht blasende Wind ist uns sehr willkommen, denn es herrscht eine wahre Gluthitze. In Hornillos del Camino, einem kleinen Ort mit einer einzigen langen Straße, entdecken wir ein schattiges Plätzchen mit zwei Bä nken. Wir entschließen uns, eine längere Pause einzulegen. Um jedoch zu einem Mittagsschläfchen zu kommen, müssen wir erst eine niedrige Hecke übersteigen. Wie mag das wohl für die Einheimischen ausgesehen haben, drei halbnackte Männer langgestreckt auf einer Parkanlage mitten im Ort. Um 14:00 Uhr öffnet das nahe gelegene Refugio. Viele Fußpilger warten schon auf Einlass. Sie wollen bei der Hitze nicht mehr weiterwandern. Leider ist nicht für alle Platz. Wir füllen hier unsere Wasservorräte auf und setzen unsere Fahrt fort. Stöhnen wir auf unseren Fahrrädern über die mörderische Hitze, so scheint sie einem uns begegnenden Jogger wohl nichts auszumachen.

Nach einer langen schnellen Abfahrt und dem folgenden Anstieg stellen wir fest, dass der Neubau der Straße einen direkten Weg bis zu unserem Tagesziel abgeschnitten hat. Deshalb müssen wir noch länger auf der großen Straße bleiben. Bei Villasandino können wir endlich wieder auf eine Nebenstrecke abbiegen. Zum Glück ist es nicht mehr so weit bis Castrojeriz, unserem heutigen Tagesziel. Da das in Hornillos del Camino aufgefüllte Wasser bereits unangenehm warm geworden ist und abscheulich schmeckt, gönnen wir uns in Montanas noch eine kleine Pause. Eine Bar gibt es im Ort nicht, dafür ein Gemeindehaus, in dem Flaschenbier ausgeschenkt wird. Wir jedenfalls genießen das kühle Bierchen. Während sich auf dem Dorfplatz vor dem Gemeindehaus die Jugend des Ortes trifft, sind die Tische im "Gemeindesaal" besetzt von den Karten spielenden Alten. Wir verlassen diese Idylle, nicht jedoch ohne unsere Wasservorräte am Brunnen des Dorfplatzes wieder aufzufüllen. Es sind nur noch 10 Kilometer bis Castrojeriz, wovon die letzten 5 Kilometer über eine schattenspendende Allee führen.

Castrojeriz liegt am Fuß eines mächtigen Bergkegels mit den Resten eines Kastells. Wir sind froh, in der örtlichen Pilgerherberge die letzten drei Matratzenlager für uns reservieren zu kö nnen. Wirklich froh darüber sind jedoch nur Jürgen und ich. Gerd möchte partout keine zweite Nacht hintereinander auf einer Matratze auf dem Boden verbringen. Es kommt wieder zu kontroversen Diskussionen. Schließlich gibt Gerd nach und ist bereit, die bereits reservierte Schlafstätte zu akzeptieren, zumal es auch fraglich ist, ob in diesem kleinen Ort zu so später Stunde noch anderweitig eine Unterkunft zu bekommen ist.

Bei einem preiswerten (8 Euro) und guten Pilgermenü sprechen wir uns nochmals aus. Es wäre zu schade, wenn unsere bisher so gut verlaufene Tour in Gefahr geriete. Wir trinken noch ein Absackerbier. Viel Zeit dafür haben wir nicht. Um 22:00 Uhr ist Zapfenstreich. Jürgen, der neben einer hübschen jungen Französin liegt, ist darüber gar nicht so sehr erfreut. Warum? Er muss sich mit dem Schnarchen und F u r . . . . zurückhalten. Und das fällt schwer. Gute Nacht.

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