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15. Tag
26. Juli 2002
Logroño – Najera – Fuente de Romeros – Azofra – Santo Domingo de la Calzada – Redcilla - Belonda – Villafranca Montes de Oca
Von Logroño (E)

Um 6:30 Uhr stehen wir auf. Da wir unser Zimmer in der Nähe der Bischofskirche haben, hören wir das Klappern der Störche. Einfach toll.

Nach einem herzhaften Frühstück in einer nahegelegenen Bar (bocadillo con jamon serrano = ein halbes Stangenbrot mit Serrano-Schinken) verlassen wir Logroòo über eine stark befahrene Ausfallstraße Richtung Navarrete. Es ist eine c a . 5 Kilometer lange Steigung und sie bietet genauso wenig Fahrgenuss wie das anschließende Stück auf der N-120 bis Najera, einer ehemaligen Maurenstadt unterhalb einer riesigen ziegelroten Felswand. Hinter Najera verlassen wir die Nationalstraße und fahren auf ruhigen Nebenstraßen mit einigen Anstiegen Richtung Santo Domingo de la Calzada. Bei Azofra fü llen wir noch unsere Trinkflaschen an der Fuente de los Romeros (Wallfahrerquelle) mit frischem Quellwasser.

Schon gegen 12:00 Uhr erreichen wir Santo Domingo de la Calzada. Hier ist es vor allen Dingen die Kathedrale, die jeden Pilger - und so auch uns -magnetisch anzieht. Genauer gesagt ist es nicht allein die Kathedrale, sondern ein Käfig mit einem lebenden weißen Hühnerpaar in deren Querschiff, der unsere Neugier weckt. Dieses Hühnerpaar, das alle vier Wochen ausgewechselt wird, soll ein Andenken an die wohl bekannteste Legende des Jakobsweges sein:

Ein Ehepaar war mit seinem Sohn auf Pilgerfahrt nach Santiago und übernachtete in einem Wirtshaus in Santo Domingo. Die Wirtstochter verliebte sich in den Sohn, aber der wollte nichts von ihr wissen und zog am nächsten Tag mit seinen Eltern weiter. Das beleidigte Mädchen aber hatte einen silbernen Becher in das Gepäck des Jungen gesteckt und zeigte ihn des Diebstahls a n . Der Becher wurde entdeckt und der Junge zum Tode durch Erhängen verurteilt. Als die Eltern nach Vollstreckung der Todesstrafe noch einmal zum Baum gingen, an dem ihr Sohn 42 hing, stellten sie überrascht fest, dass ihr Sohn lebend am Galgen hing, denn Santo Domingo stützte ihn an den Beinen. Das Ehepaar begab sich also zum Richter, um ihm von dem Wunder zu berichten, das ja die Unschuld ihres Sohnes bewies. Der Richter saß gerade am Mittagstisch und sagte, dass der Junge so lebendig sei wie die zwei Hühnchen, die er gerade verspeisen wollte. Daraufhin flogen die beiden Tiere davon.

Da wir etwas Zeit haben, schauen wir uns die herrliche Kathedrale mit dem dazugehörigen Kloster etwas näher a n . Zeit haben wir auch noch für eine Siesta. Vor einer Bar in der Sonne sitzend , lassen wir uns eine tortilla a la espanola (= Omelett mit Zwiebeln und Kartoffeln) bei einem kühlen Bier schmecken. Und zum Nachtisch noch ein Eis. Was wollen wir noch mehr?

Satt und zufrieden setzen wir die Fahrt fort. Wir überqueren den Rio O j a . Die Landschaft, die wir jetzt durchqueren, ist geprägt von abgeernteten Kornfeldern, das Weinland Rioja haben wir verlassen. Die Weiler, die wir durchfahren, wirken wie ausgestorben. Kein Wunder, bei der Hitze lässt sich niemand außerhalb seines Hauses blicken.

Am Ortseingang von Redecilla überfahren wir die Grenze zwischen den Provinzen La Rioja und Kastilien-Leön. Ein riesengroßes - ich schätze 8 Meter hohes - Schild am Straßenrand weist auf den Verlauf des Caminos und dessen Sehenswürdigkeiten hin. Es ist schon wieder sehr heiß . Wir nutzen jede Wasserstelle, um uns zu erfrischen und unsere Wasservorräte aufzufüllen. Es sind zwar nur noch ca. 25 Kilometer bis zu unserem Tagesziel Villafranca Montes de la Oca, hierfür müssen wir allerdings mehr als 200 Höhenmeter überwinden, und das bei der Hitze.

Gegen 18:00 Uhr erreichen wir Villafranca. Wir beschließen, die Nacht im Zeltlager zu verbringen. Wir haben Glück und erhalten für uns ein 5-Mann-Zelt mit Matratzen. Nach einer heißen Dusche nutzen wir den Waschplatz, um unsere schmutzige Wäsche zu waschen. Im Aufenthaltszelt stärken wir uns noch, bevor wir uns in der wohl einzigen Bar des Ortes noch das ein oder andere Bierchen genehmigen.

Zum Aufzeichnen der Geschehnisse des Tages gehört es wohl auch, die negativen Seiten aufzuzeigen. War unsere Tour bis hierher im Großen und Ganzen durchaus harmonisch verlaufen, so gibt es zwischen Gerd und mir die ersten größeren Dissonanzen. Ist es die körperliche Belastung oder eventuell auch die nervliche Anspannung, die bei dem einen oder anderen Reaktionen hervorrufen, die nicht der Norm entsprechen? Jedenfalls ist der restliche Abend und die Nacht von Kälte geprägt. Einmal von der Kälte im Umgang miteinander und zum anderen von der Kälte, die nachts in einer Höhe von 950m auch im Sommer in einem Zelt zu spüren ist.

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