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13. Tag
24. Juli 2002
St.Jean Pied de Port (Überquerung Nive) - Arneguy – Spanische Grenze - Valcarlos - Alto Ibaneta 1057m - Roncesvalles - Burguete - Espinal - Zubiri - Urdaniz – Larrasoana – Zuriain – Zabaldica – Hoarte - Villaya - Pamplona
Von St.Jean Pied de Port (F)

Gerd's Knie geht es besser. Die Schmerzen sind erträglich. Die Frage ist nur: Wie reagiert das Knie bei Belastung, insbesondere bei stärkerer Belastung, wie sie uns heute zwangsläufig erwartet? Nach dem Frühstück nimmt Gerd noch eine Tablette.

Wir verlassen St. Jean Pied de Port durch einen Torbogen über die Pont-Vieux, der alten Brücke über dem Flüsschen Nive. Der Nive folgen wir noch eine halbe Stunde bis Arneguy und erreichen dort die Grenze nach Spanien. 1474 Kilometer haben wir bis hierher hinter uns gebracht. Und Gerd ist derart zuversichtlich, ja fast schon übermütig, als er sagt: "Die restlichen 800 Kilometer schaffen wir auch noch. Die Tabletten scheinen ihre Wirkung erzielt zu haben. Oder war es der h l . Jakob, der uns beigestanden hat? Wir sind jedenfalls zuversichtlicher als gestern und nehmen ziemlich locker den Ibaneta Pass in Angriff. Vorher jedoch füllen wir in dem Örtchen Valcarlos noch unsere Vorräte auf. Jamon serrano, dieser besonders gepökelte und geräucherte Schinken, hätten wir zentnerweise kaufen können. Bananen jedoch nicht, die waren nur als Dekoration aus Plastik zu bewundern.

Wie fast immer bei längeren Steigungsstrecken trennen wir uns. Jeder fährt seinen eigenen Rhythmus. Während Jürgen die Steigungen konsequent mit dem kleinen Blatt nimmt, habe ich noch Schaltreserven, denn ich fahre mit dem mittleren Blatt. Gerd fährt, wie fast immer, vorneweg. Einerseits ist dies ein gutes Zeichen, andererseits besteht darin aber auch die Gefahr, dass er seinem verletzten Knie zuviel zumutet. Je höher wir kommen, desto nebliger wird e s . Alle 3 bis 4 Kilometer warten wir aufeinander, machen eine kleine Pause, bevor es im gleichen Rhythmus weitergeht. Nur wenige Fahrzeuge überholen uns. Lediglich von der spanischen Seite kommen uns ständig Lastwagen, voll beladen mit Strohballen, entgegen. Der Nebel wird immer dichter und geht so allmählich in Regen ü ber. Die Straße führt fast gleichmäßig bergan und ist gut befahrbar. Plötzlich tauchen auf der linken Straßenseite die ersten Häuser auf. Die Passhöhe kann nicht mehr weit sein. Und tatsächlich, kurz danach erblicke ich das braune, schmale Schild, Ibaneta 1057m. Und wer steht davor und wartet auf uns? Gerd! Ein Radpilger aus Heidelberg macht ein Foto von uns, mit dem Schild im Hintergrund. Trotz des trüben Wetters sind wir guter Dinge. Wir hatten uns alles viel schwerer vorgestellt. Die Steigungen, die wir in Frankreich zu bewältigen hatten, waren zwar nicht so lang, aber teilweise anspruchsvoller als die heutige zum Ibaneta Pass. Da wir von Regen und Schweiß durchnässt sind, ersparen wir uns die Besichtigung der kleinen Wallfahrtskapelle. Wir rollen bergab nach Roncesvalles und wärmen uns dort in der erstbesten Bar mit einem heißen cafe cortado und etwas Gebäck auf. Zu uns gesellt sich der Radpilger aus Heidelberg und erzählt uns, dass er - ein EDV-Fachmann - eine "Auszeit" von einem halben Jahr genommen hat und schon drei Monate unterwegs ist. Er hat das gleiche Ziel wie wir, nämlich Santiago de Compostela. Im Gegensatz zu uns jedoch kann er sich dafür "alle Zeit der Welt" nehmen. Im Pilgerbüro im Hauptgebäude der Abtei, einem enormen Gebäudekomplex, erhalten wir einen Stempel für unseren Pilgerausweis, nicht jedoch ohne vorher als Pilger erfasst zu werden.

Auf der N-135 fahren wir bergab in Richtung Pamplona, müssen zwischendurch jedoch noch zwei Anstiege, und zwar zum Alto de Mezquiriz (960m) und zum Alto de Erro (801m), bewältigen. Beim Blick zurück auf die fantastische Kulisse der Pyrenäen sehen wir noch zweimal einen umherkreisenden Geier. Da wir noch leicht durchgefroren sind, kehren wir in einem kleinen Ort in eine Bar - gleichzeitig Supermarkt und Verkehrsbüro - ein und genehmigen uns einen doppelten Anisschnaps. So aufgewärmt fallen uns die letzten Kilometer bis Pamplona ziemlich leicht. Schwieriger gestaltet sich jedoch die Suche nach der Pilgerherberge. Normalerweise befindet sie sich, wie in den Reiseführern beschrieben, neben einer Kirche in der Innenstadt. Dort fanden wir jedoch nur einen ungenau verfassten Zettel mit der Anschrift für das „Sommerrefugio“. In der Calle Fuente del Hierro am südlichen Stadtrand, 2 Kilometer vom Zentrum entfernt, finden wir sie schließlich. In der Turnhalle einer Schule sind ca. 100 Schlafmöglichkeiten, und zwar in doppelstöckigen Feldbetten. Da in der Pilgerherberge bereits um 22:00 Uhr Zapfenstreich ist, nutzen wir die noch verbleibenden 3 Stunden für einen Bummel durch das geschichtsträchtige Pamplona.

Durch einen Park, in dem noch Teile der Stadtmauern und der Zitadelle zu erkennen sind, erreichen wir schnell das Zentrum der Altstadt. Auffallend ist das hübsche barocke Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Von hier aus verfolgen wir den Weg, den alljährlich zum San- Fermin-Fest ( 6. - 14. Juli) die Stiere und Stierläufer in Richtung Stierkampfarena nehmen. Die Hauptstraße, durch die Stiere gejagt werden, ist die Calle Estafata. Vor dem Haupteingang der Stierkampfarena steht eine Büste von Ernest Hemingway, der die Atmosphäre dieses San-Fermin-Festes in seinem Roman "Fiesta" wohl unübertroffen beschrieben hat. Leider können wir nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten, die Pamplona - ü brigens Hauptstadt der Provinz Navarra - zu bieten hat, bewundern. Schließlich müssen wir auch noch in der knapp bemessenen Freizeit etwas für unser leibliches Wohl tun. Wir sind jedenfalls glücklich und dankbar, unser erstes Tagesziel auf dem Camino, Pamplona, erreicht zu haben.

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