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10. Tag
21. Juli 2002
St. Astier -Sourzac - Mussidan (Überquerung Isle) - Le Fleix - Sainte Foy la Grande (Überquerung Dordogne)- Les Lèves et Thoumeyregues - Monsegur - Roquebrune - St.Hilaire de la Noaille - La Réole (Überquerung Garonne) – Ailias – Gans – Poussignac - St. Côme - Bazas
Von St. Astier (F)

Wegen der zu erwartenden Hitze fahren wir bereits um 7:30 Uhr los, natürlich ohne Frühstück. Es rollt sehr gut. Nennenswerte Anstiege haben wir nicht zu bewältigen nd , da Sonntag ist, sind die Straß en so gut wie menschenleer. Lediglich einige Radfahrer auf Rennrädern sind bereits unterwegs. Das Radfahren mit Tourenrädern, wie es sich bei uns in Deutschland in den letzten Jahren in starkem Maße entwickelt hat, kennt man in Frankreich anscheinend nicht. Wir haben jedenfalls auf unserer gesamten Tour durch Frankreich, bis auf ein junges holländisches Paar, keine Radtouristikfahrer gesehen. Dies ist auch kaum verwunderlich bei den so gut wie gar nicht vorhandenen Radwegen.

Wir genießen bei noch angenehmen Temperaturen die Ruhe und die faszinierend schöne Landschaft. Die Flora bekommt immer mehr südländischen Charakter. Die ersten Palmen und Feigenbäume begegnen uns. Wir erfreuen uns an den vielen blühenden Bäumen und Sträuchern, die wir vom Namen her gar nicht kennen und die wir, zumindest Jürgen und ich, vorher noch nie gesehen haben. Nach gut 15km erreichen wir Mussidan. In einer Boulangerie (Bäckerei) kaufen wir Croissants und suchen uns eine Bar, die zu dieser frühsonntäglichen Zeit schon geöffnet hat. Bei einer Tasse schwarzen französischen Kaffees sprechen wir den Tagesverlauf ab. Nach unserer Frühstückspause hat sogar der nächste Supermarkt geöffnet, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Wir verlassen das Tal der Isle und strampeln mal wieder bergan. Ü ber einen wenig besiedelten waldreichen Höhenrücken erreichen wir St. Foy le Grand an der Dordogne. Wir kommen gerade noch so an, um einen Sonntagsmittag schließenden Supermarkt für den Einkauf unseres Mittagspicknicks zu besuchen. Und man höre und staune – endlich finden wir in Frankreich eine offene Kirche um unsere Stempelkarte zu vervollständigen. Aber leider ist es zur Mittagspause noch zu früh und so verlassen wir das Tal der Dordogne. Gegen Mittag erreichen wir die riesigen, leicht hügeligen Weinfelder um Bordeaux. Wir werden an die Champagne erinnert. Die Region, die wir durchfahren, ist sehr dünn besiedelt. Hin und wieder bekommen wir eines der weit auseinandergelegenen Weingüter zu Gesicht. Hier fallen uns die immens großen Stahltanks auf, die uns doch zu der Vermutung kommen lassen, dass es sich beim Bordeauxwein um einen Massenwein handeln muss , ohne dabei die Qualität beurteilen zu wollen und auch zu können.

Haben wir während unserer bisherigen Fahrt durch Frankreich kaum ein Auto mit deutschem Nummernschild gesehen, so tauchen plötzlich Dutzende von PKW's aus Düsseldorf, Köln, Frankfurt etc. auf. Was ist denn hier los? Die Erklärung bekommen wir auf entsprechende Nachfrage sofort. Eine Sekte hat hier ihr Domizil. Verbringen hier die deutschen Mitglieder ihren Urlaub? Wir können und wollen es auch gar nicht erfahren.

Es ist schon 14:00 Uhr. Seit einer Stunde sind wir auf der Suche nach einem schattigen Platz für unsere Mittagspause. Schließlich finden wir bei Monsegur im Garten eines öffentlichen Gebäudes Tisch und Bänke unter einer riesigen Platane. Umsäumt ist dieser Garten von riesigen Bambusstauden. Da wir bereits 80 Kilometer hinter uns gebracht haben und es sehr heiß ist (mindestens 35 G r a d ) , beschließen wir, eine längere Pause einzulegen. Nach gut einer Stunde verlassen wir den schattigen Platz, um weiterzufahren. Wir denken, uns trifft der Schlag, so heiß ist es. Der Teer auf den Straßen beginnt stellenweise aufzuweichen. Wir müssen viel trinken. Jede Wasserstelle am Wegesrand wird genutzt, um die Wasservorräte aufzufüllen. Natürlich versetzen wir das Wasser mit Magnesium und Calcium, um somit die mit dem in Strömen fließenden Schweiß verlorenen Mineralien wieder aufzufüllen. In Reole, einem schönen Städtchen oberhalb des Flusses Garonne, machen wir die nächste Rast. Wir finden ein schattiges Plätzchen vor einer Bar auf dem idyllischen Dorfplatz und lassen uns zwei kühle Cola mit viel Eis schmecken. (Um für die restlichen Kilometer noch fahrtüchtig zu bleiben, verzichte ich schweren Herzens auf mein schon obligatorisches Bierchen). "Cola-gedopt" nehmen wir die letzten 30 Kilometer in Angriff. Zunächst sausen wir runter ins Tal der Garonne und überqueren diese über eine imposante Brücke. Auf der anderen Seite verlieren wir den vorher gewählten Weg und landen auf einer breiten schnurgeraden Autostraße, die zur Autobahn führt. Wir quälen uns den langen Anstieg aus dem Flusstal und sehen schon kilometerweit vorher die kommenden Hügel. Oben liegt ein Bauernhof und eine junge Bauersfrau arbeitet im Garten. Auf unsere Frage nach dem Weg fängt sie ein freundliches Gespräch an und nötigt uns frisches Wasser auf, das wir nur zu gerne genießen. Sie betont die Wichtigkeit einer Pilgerreise nach Santiago und ermutigt uns weiterzumachen. Erst im nächsten Ort Ailias kö nnen wir unsere Richtung wieder gegen Bazas lenken. Über eine sehr einsame aber malerische Straße entlang dem Örtchen Gans erreichen wir gegen 19:00 Uhr Bazas.

Auch diesmal lässt uns unser Glück nicht im Stich. Bei der Fahrt zum Ortskern sehen wir plötzlich ein Hotel, das mit einem Blumenmeer geschmückt ist. Leider ist es geschlossen. Als wir gerade weiter fahren wollen, entdecken wir neben der Garage einen zweiten Eingang. Davor steht ein alter DCV. Als wir vorsichtig ins Haus gehen, kommt uns ein älterer Mann entgegen, der uns das letzte Zimmer anbietet. Eigentlich habe man am Abend vorher eine Hochzeit gefeiert und noch keine Zeit für das Bettenmachen gehabt. Aber ein Zimmer sei noch frei. Im übrigen sei er nur zufällig da. Wir greifen natürlich erfreut zu und bekommen eine kleine Suite. Ist Bazas heute unser Etappenziel, so war dieser beschauliche Ort vier Tage vorher Etappenziel der Tour de France. Bei unserem Bummel durch den Ortskern - auffallend die imposante Kirche im gotischen Stil - ist dies noch deutlich erkennbar. In den Schaufenstern der Geschäfte erinnert alles an dieses für eine französische Stadt so bedeutsame Ereignis. Wir als Kenner und Liebhaber des Radrennsports kommen jedenfalls voll auf unsere Kosten. Die Geschichte der Tour de France wird uns mit äußerst eindrucksvollen Dokumenten, wie zum Beispiel außergewöhnlichen Bildern, Ergebnislisten, Routenbeschreibungen etc. , gezeigt. Ebenfalls aufschlussreich ist eine Ausstellung im Foyer des Rathauses. Hier wird dem Betrachter sehr anschaulich die Entwicklung des Materials, wie z . B . Fahrräder und Bekleidung, gezeigt.

Noch zwei Tagesetappen und wir sind am Ziel "unserer" Tour de France, jedoch noch nicht am Endziel, Santiago de Compostela. Vorher müssen wir noch den "Camino" bewä ltigen. Wir freuen uns schon darauf und sind jedenfalls guter Dinge, zumal auch Jürgen's Po fast wieder der alte ist.

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