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Bei einer unserer Radtouren durch’s landschaftlich äußerst reizvolle Südlimburg im Spätsommer des vergangenen Jahres stellte mein Freund Gerd so nebenbei fest, dass man auch mal eine besondere Radtour machen sollte. Zum Beispiel eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela, das wäre es, meinte er. So nebenbei wie dieser Wunsch von Gerd geäußert wurde, kam er jedoch nicht zu mir herüber. Ich war schon begeistert von dieser Vorstellung, zumal mein Bruder Toni, der den ursprünglichen „Camino“ schon zu Fuß gepilgert war, mir die Reize und Besonderheiten einer derartigen Pilgertour geschildert hatte. Die einzige Bedingung, die ich Gerd stellte, diese Tour mit ihm zu machen, war, damit nicht zu warten, bis er Rentner sei. Für Gerd als Lehrer mit einer schulpflichtigen Tochter und einer voll im Berufsleben stehenden Ehefrau war es jedoch nicht leicht, einen Termin für eine derart zeitaufwendige Radtour zu finden. Doch nach vielen Überlegungen innerhalb der Familie bekam Gerd schließlich grünes Licht. Als Termin wurde der Beginn der Sommerferien 2002 festgelegt.

Jürgen, unser gemeinsamer Freund aus unserer „Marathonlaufära" und inzwischen wie ich auch Rentner und gelegentlich Teilnehmer an unseren Radtouren, konnten wir ebenfalls für unser Vorhaben begeistern und als Dritten für die Tour gewinnen.

Von diesem Zeitpunkt an begannen wir mit den Vorbereitungen. Wir besorgten uns entsprechende Literatur und Landkarten (insbesondere von Frankreich) und Gerd, unser "Logistiker", begann schon mit dem Ausarbeiten der Route durch Frankreich und stellte mit großer Akribie die Tagesetappen zusammen. Wir beantragten bei der Jakobsgesellschaft in Aachen die erforderlichen Pilgerausweise (Credencials de Peregrinos) und bei der örtlichen Pfarrgemeinde, die für die Ausstellung der Pilgerausweise notwendigen Empfehlungsschreiben. Sinn dieser Dokumente ist es, dass man sich als Pilger ausweisen kann, Unterkunft in den Pilgerhäusern (Refugios) erhält und sich durch Stempeleintrag den zurückgelegten Weg bestätigen lässt. Bei Vorlage dieses Nachweises erhält man dann im Pilgerbüro von Santiago de Compostela die traditionelle Pilgerurkunde.

Bei der Beantragung der Pilgerausweise gaben wir zwar auch religiöse Motive für unser Vorhaben an , jedoch sollte es für uns in erster Linie eine sportliche Herausforderung werden. Das bedeutete natürlich, dass wir vorab einiges für unsere Kondition tun mussten. Besonders Jürgen, der im Gegensatz zu Gerd und zu mir zwischenzeitlich vom Laufen abgekommen war und stattdessen sich sportlich nur noch in der "Mucki-Bude" bewegte - was man ihm auch deutlich ansah -, nahm das Radfahrtraining sehr ernst. Sowohl auf der Rolle als auch im Freien spulte Jürgen die mit Abstand meisten Kilometer herunter. Konditionell waren wir jedenfalls gut vorbereitet.

Was die Ausrüstung anbelangte, mussten wir ebenfalls umfangreiche Vorkehrungen treffen, um dieses "Abenteuer" auch erfolgreich zu überstehen. Da wir unsere gesamten Habseligkeiten mit uns führen mussten, benötigten wir tourentaugliche Trekkingräder mit stabilem Gepäckträger für die Gepä cktaschen, sowie für Schlafsack und Minizelt. Minizelte nahmen wir mit, da man uns darauf hinwies, dass Fußpilger in den Herbergen in den Sommermonaten (= Ferienzeit und somit Hauptpilgerzeit) gegenüber Radfahrern Vorrang haben und somit die Gefahr bestand, eventuell im Freien übernachten zu müssen. Zum Glück kam es nicht dazu. Wichtig waren auch die Lenkertaschen, u.a . für Fotoapparat, Kartenmaterial, Pilgerausweis und Tagesproviant. Da wir uns die heißeste Jahreszeit für unsere Tour "ausgesucht" hatten, war es von großem Vorteil, dass wir mehrere Vorrichtungen für Trinkflaschen am Fahrrad hatten. Außerdem waren unsere Fahrräder mit der richtigen Gangschaltung ausgestattet, denn wir mussten sehr oft hügelige Regionen durchfahren und mehrere Gebirgspässe überqueren. Für die technische Ausstattung mit Flickzeug und Ersatzteilen war Jürgen, unser Mechaniker, zuständig.

Für die gesamte Tour (ca . 2.200 - 2.400 km) hatten wir ursprünglich 22 Tage (vom. 16.7. - 2 .8.) + Aufenthalt in Santiago de Compostela + Heimreise eingeplant, zusätzlich noch einen zeitlichen Spielraum von mehreren Tagen für sich eventuell ergebende Verzögerungen. Leider erhielt Gerd ca . 2 Wochen vor Reiseantritt die Nachricht, noch in den Sommerferien, und zwar am 7. August, eine Kur antreten zu müssen. Da diese Kur für Gerd sehr wichtig war und der Termin für die Kur nicht verlegt werden konnte, hatten wir nur noch die Möglichkeit, entweder unsere bis dahin gut vorbereitete Tour abzublasen oder aber terminlich neu zu gestalten. Durch besondere Umstände hatte Gerd die Möglichkeit, Freitag, den 12. Juli, nach Schulschluss seine Ferien zu beginnen. Nach reiflicher Überlegung entschlossen wir uns schließlich, unsere Tour zu diesem Zeitpunkt zu starten, wohlwissend, dass wir keinen zeitlichen Spielraum mehr hatten. Wir fällten diese Entscheidung sowohl im Vertrauen auf unsere Leistungsfähigkeit als auch in der Hoffnung, vom Glück nicht verlassen zu werden und letztendlich in dem "festen Glauben", dass der heilige Jakob drei bußwilligen Pilgern beisteht.

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